
Auf dem RENOTAG 2002 in Darmstadt hatte die Mitgliederversammlung den Vorstand damit beauftragt, eine Gehaltsumfrage unter den Mitgliedern durchzuführen, um zu erfahren, wie die Gehaltssituation zur Zeit ist und um Ihnen Anhaltspunkte für Vertragsverhandlungen zu geben. Einzelne Ortsvereine wie die der Berliner oder auch die Niedersachsen haben dies in der Vergangenheit schon bei ihren Mitgliedern getan, aber dieses Mal sollte eine Gehaltsumfrage bundesweit durchgeführt werden. Nicht nur der Fragebogen in der RENOpraxis 8/2003, sondern insbesondere das moderne elektronische Medium, das Internet, brachte doch eine große Anzahl von Mitgliedern und auch einige andere Leser (!) dazu, uns ihre persönlichen Daten zu einer Auswertung zu überlassen. Der Vorstand bedankt sich an dieser Stelle bei allen Teilnehmern der Umfrage, wenngleich nicht verhehlt werden soll, dass es auch ein paar mehr hätten sein können. Aber wir wollen mit der ersten Umfrage zufrieden sein.
Insgesamt haben sich über 600 Teilnehmer aus 16 Bundesländern an der Umfrage beteiligt. Wir konnten feststellen, dass alle Teilnehmer unserer Umfrage ausgebildete Fachangestellte waren, allerdings konnten wir mangels Befragung nicht feststellen, wer Umschüler war. Teilnehmer ohne Berufsausbildung haben sich nicht an der Umfrage beteiligt. Besonders regen Zuspruch hatten wir aus Nordrhein-Westfalen, Berlin, Bayern, aber auch die Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holsteiner waren auskunftsfreudig.
Der größte Anteil unserer Teilnehmer waren Frauen, nämlich 94%. Leider lässt sich anhand unserer Umfrage nicht ermitteln, ob dies auch dem tatsächlichen Anteil der Frauen in unserem Beruf entspricht. Die Teilnehmer waren größtenteils zwischen 20 und 35 Jahre alt und haben bisher zwischen 5 und 12 Berufsjahre hinter sich gebracht. Hauptsächlich sind sie in Anwaltskanzleien (auch gemischt mit Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern) beschäftigt (66 %), 30 % sind bei Anwaltsnotaren beschäftigt und nur 3% arbeiten bei Notaren. Wir konnten also feststellen, dass Notariatsgehilfen weniger auskunftsfreudig waren und Auszubildende leider gar nicht an der Umfrage teilgenommen haben.
Dies mag unter anderem auch daran liegen, dass laut Umfrage die Anzahl der Auszubildenden bundesweit erschreckend gering ist. Wir überlegen, hier noch einmal eine gesonderte Umfrage zu starten.
In der Regel haben unsere Teilnehmer eine 40-Stunden-Woche, Überstunden werden allerdings nicht überproportional geleistet. Dies mag vielleicht auch an der derzeitigen Auftragslage liegen. Wenn doch Überstunden geleistet werden, so werden diese von 51% der Befragten „abgebummelt“, 33 % bekommen sie gar nicht vergütet, da sie im Arbeitsvertrag unbezahlt geregelt sind, 12 % können zwischen Bezahlung und Abgeltung in Freizeit wählen und lediglich 4% lassen sich ihre Überstunden regelmäßig vergüten. Allerdings dürfte das Abgelten durch Freizeit im Wesentlichen auch darin begründet sein, dass nach Abzug aller Sozialabgaben und Steuern eine Auszahlung in Geld sich für die meisten Teilnehmer wohl nicht lohnt.
Die ermittelten Gehälter liegen in den einzelnen Bundesländern nicht so weit auseinander wie erwartet, die höchsten Gehälter haben wir in Bremen ermittelt, die niedrigsten in Mecklenburg-Vorpommern. Regelmäßig konnten wir nur noch den Bezug von 12 Monatsgehältern feststellen (67 %); immerhin 30 % aller Befragten gaben an, ein 13. Monatsgehalt zu be- kommen und nur der geringe Teil von 3% kann sich über 14 Gehälter pro Jahr freuen (vgl. Übersicht 1).
|
![]() |
Erwartungsgemäß zeigte sich jedoch, dass Männer auch in unserem Beruf immer noch besser bezahlt werden als Frauen, wobei man sicherlich davon ausgehen kann, dass die an der Umfrage teilnehmenden Herren die längste Berufserfahrung haben und Schwangerschaft und Kindererziehung bei den weiblichen Teilnehmerinnen hier sicherlich auch eine Rolle spielen. Ferner scheinen auch die Bürovorsteherposten in der Regel von den vergleichsweise wenigen im Beruf vorhandenen Herren besetzt zu sein (vgl. Übersicht 2). | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Bei den Sonderleistungen, die zusätzlich zum Gehalt gewährt werden, zählt auch heute immer noch das Urlaubs und das Weihnachtsgeld, obwohl nur ca. die Hälfte aller Teilnehmer in den Genuss dieser Leistungen kommen. Fahrtkosten sind ebenfalls eine häufig vorkommende Sonderleistung, allerdings konnten wir feststellen, dass diese Leistung in den neuen Bundesländern gar nicht üblich zu sein scheint, jedenfalls war keiner der Teilnehmer aus diesen Ländern in den Genuss dieser Leistung gekommen. Dienstwagen sind vorhanden, jedoch auch in den alten Bundesländern eher die Ausnahme. Die Direktversicherung scheint sich zumindest in den alten Bundesländern neben vermögenswirksamen Leistungen noch zu halten, in den neuen Bundesländern konnte wieder kein Teilnehmer Angaben zu dieser Sonderleistung machen. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die Urlaubssituation weist jedoch dramatische Unterschiede in Ost und West aus. Hat die überwiegende Anzahl der Befragten zumindest den gesetzlich vorgeschriebenen Mindesturlaub von 24 Arbeitstagen, so wird diese Zahl im Osten des Landes mehr als einmal unterschritten. Wir konnten feststellen, dass es sich dabei nicht um die Teilzeitkräfte handelt, sondern offensichtlich wird an dieser Stelle von den Arbeitgebern auch gegen das Gesetz verstoßen. In den westlichen Bundesländern kommt es dagegen sogar häufiger zu 30 und mehr Urlaubstagen pro Jahr, es sind aber in der Regel Kollegen, die auch schon längere Zeit im Beruf verbracht haben (vgl. Übersicht 3). | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||